Schwedens Reformationskönig
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Heute vor 500 Jahren ...
… am 6. Juni 1523, wurde der Rebellenführer Gustav Eriksson (Wasa) zum schwedischen König gewählt. Der Tag seiner Königswahl ist heute schwedischer Nationalfeiertag.
König Jösta, so nannte man ihn zu Lebzeiten, begründete ein unabhängiges Königreich Schweden und sicherte der Wasa-Familie die Herrschaft darüber. Er förderte die Reformation, brach mit Rom und wurde anstelle des Papstes Oberhaupt der schwedischen Kirche. Seit dem 17. Jahrhundert nennt man Schwedens Reformationskönig Gustav I. Wasa*.
Am Rand Europas
Um 1500 war Schweden nur dünn besiedelt. Seine Zentren waren Stockholm mit etwa 4.000 Einwohner*innen (Bevölkerung zum Vergleich – Paris: 225.000; Köln: 40.000; Wittenberg: 2.000) sowie die Bergbauregion Dalarna. Die nördlichen Umrisse des schwedischen Reichs, zu dem auch Finnland zählte, waren noch weitgehend unerforscht. Enge Bande unterhielt Schweden zum deutschen Sprachraum, durch Kaufleute und Handelszusammenschlüsse wie die Hanse, aber auch durch Studenten, die an deutschen Universitäten lernten.
Die Kalmarer Union
Seit 1397 waren die drei nordischen Königreiche Dänemark, Norwegen und Schweden in der Kalmarer Union verbunden, einer Personalunion unter Führung des dänischen Königs. Diese Konstellation lieferte in Schweden beständig Zündstoff für Machtkämpfe zwischen Unterstützern der Kalmarer Union und Befürwortern einer schwedischen Selbständigkeit.
Das Stockholmer Blutbad
Im November 1520 feierte man in Stockholm die Krönung Christians II. von Dänemark zum schwedischen König. Ihm war es gelungen, die schwedische Selbstständigkeitspartei zu unterwerfen und das Land nach bürgerkriegsähnlichen Unruhen wieder unter Kontrolle zu bringen. Großmütig hatte er seinen geschlagenen Feinden Amnestie versprochen und sie zum Krönungsfest nach Stockholm geladen. Doch noch während die Feierlichkeiten andauerten, ließ Christian die Stadt abriegeln und mehr als 80 Vertreter der Selbständigkeitspartei verhaften. Der Erzbischof von Uppsala, die höchste kirchliche Instanz in Schweden, bezichtigte die Männer der wiederholten Ketzerei, sie wurden umgehend zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet. Unter den Opfern des Massakers waren unionsfeindliche Bischöfe, Stockholmer Bürgermeister und Ratsherren, Adlige und ihre Bediensteten. In den nächsten Wochen weiteten sich die Verfolgungen bis nach Finnland aus.
Aufstand
Mit dem Stockholmer Blutbad hatte Christian II. nicht nur seine politischen Gegner vernichtet, sondern auch das Vertrauen in die dänische Krone und die Kirche zerstört. Die Reaktion war ein Aufstand der Bauern und Bergleute von Dalarna, zum Anführer wählten sie Gustav Eriksson (1496–1560) aus der vornehmen Wasa-Familie. Sein Vater und zwei Onkel gehörten zu den Opfern des Stockholmer Blutbads, er selbst war auf abenteuerliche Weise aus dänischer Geiselhaft entkommen. Der junge Adlige erwies sich als politisch und militärisch geschickter Anführer, dem es gelang, die dänischen Truppen zurückzudrängen und Stockholm zu erobern. Am 6. Juni 1523 wählte der Reichstag von Strängnäs Gustav Eriksson zum schwedischen König, wenig später trat Schweden aus der Kalmarer Union aus und wurde damit ein unabhängiges Königreich.
Schwedens Reformationskönig
Gustav Wasa verfolgte systematisch die Sicherung und den Ausbau der königlichen Macht. Ein Mittel dazu war die Unterstützung der Reformation – einer Reformation, die der König lenkte.
Kirchlichen Besitz ließ Gustav Wasa einziehen und der Krone zuführen, u. a. nutzte er ihn zur Tilgung seiner Schulden bei der Hansestadt Lübeck, die ihn im Aufstand gegen den dänischen König unterstützt hatte.
Kirchliche Schlüsselpositionen besetzte Gustav Wasa mit Männern, die der Reformation nahestanden. Stadtsekretär und Mitglied des Rates mit Sitz und Stimme wurde der Reformator Olaus Petri (1493–1553), der in Wittenberg studiert hatte. Auch sein jüngerer Bruder Laurentius Petri (1499–1573), seit 1531 erster lutherischer Erzbischof von Uppsala, und der in Eisleben geborene Nikolaus Stecker, der erste lutherische Pfarrer an der Storkyrkan, Stockholms Hauptkirche, hatten Wittenbergs Leucorea besucht. Bis zur Jahrhundertmitte traf dies auf eine große Zahl von Würdenträgern der schwedischen Kirche zu.
Reformation und Buchdruck
Ein besonders wirksames Mittel zur Förderung der Reformation war die Kontrolle des Druckmarktes. Gustav Wasa ließ die Druckpressen, die von katholischer Seite kontrolliert wurden, schließen und im Stockholmer Schloss eine königliche Presse einrichten. Dies führte dazu, dass ab 1525 ausschließlich reformatorische Drucke in Schweden erschienen, und zwar in der Volkssprache. Darunter waren 1526 das Neue Testament in schwedischer Sprache, in den 1530er-Jahren eine schwedische Messe sowie Gesangbücher und 1541 die Gustav-Wasa-Bibel, das umfangreichste und prachtvollste Werk, das im 16. Jahrhundert in Schweden gedruckt wurde. Diese erste schwedische Vollbibel ist eine Übersetzung der Lutherbibel, besorgt von den Reformatoren Olaus Petri und Laurentius Andreae (um 1470–1552). Die Gustav-Wasa-Bibel prägte das Schwedische ähnlich wie die Lutherbibel die deutsche Sprache.
* Im Text wird ab der Königswahl 1523 der heute gebräuchliche Name Gustav Wasa verwendet.