30 Jahre. 6 Stätten. EIN Welterbe.

Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg feiern 30 Jahre UNESCO-Weltkulturerbe!
Am 7. Dezember 1996 erkannte die UNESCO die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg als Kulturerbe der Menschheit an. Die 6 Stätten "sind Orte entscheidender Ereignisse der Reformation und als solche von herausragender Bedeutung für das politische, kulturelle und spirituelle Leben der westlichen Welt." (Zitat unesco.de)
Welterbe ist weit mehr als ein historischer Titel. Er bedeutet Verantwortung, Zeugnisse von universellem Wert zu bewahren und ihre Bedeutung an kommende Generationen weiterzugeben. Das Land Sachsen-Anhalt, die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg, die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, die Evangelische Kirche, Tourismuspartner und nicht zuletzt die Menschen in der Region arbeiten eng zusammen um diesen Aufgaben gerecht zu werden. Gemeinsam tragen sie dazu bei, dass die Geschichte der Reformation lebendig bleibt und immer wieder neu entdeckt werden kann.
Im Jubiläumsjahr blicken wir zurück auf drei Jahrzehnte, in denen diese Monumente bewahrt und für kommende Generationen erschlossen wurden. Zugleich bietet sich die Gelegenheit, Orte zu entdecken, die unsere Region mit ihren Menschen prägen und zugleich Weltgeschichte geschrieben haben.
Unsere Welterbestätten
Tomasz Lewandowski | Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Die bedeutendsten Geschichten beginnen nicht immer an den größten Orten. Das Geburtshaus Martin Luthers in Eisleben ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Hier wurde der spätere Reformator am 10. November 1483 geboren – in einer Stadt, die damals vom Kupfer- und Silberbergbau geprägt war und zu den bedeutenden Wirtschaftszentren der Region zählte.
Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1689 wurde das Haus mit Unterstützung aus vielen Teilen Europas wieder aufgebaut. Dabei entstand nicht nur eine Gedenkstätte für den Reformator, sondern zugleich ein Ort der Bildung. Im Erdgeschoss erhielten Kinder kostenlosen Unterricht, während im Obergeschoss bereits eine frühe museale Erinnerungsstätte eingerichtet wurde.
Heute vermittelt das Museum die Familiengeschichte Martin Luthers, die Lebenswelt seiner Kindheit und die Bedeutung des Bergbaus für seine Herkunftsregion. Das historische Ensemble wurde Anfang der 2000er Jahre durch moderne Museumsbauten ergänzt. Die Dauerausstellung „Von daher bin ich – Martin Luther und Eisleben“ macht anhand zahlreicher Exponate und eindrucksvoller Inszenierungen deutlich, wie eng Luther mit seiner Herkunft verbunden blieb und weshalb Eisleben bis heute Menschen aus aller Welt anzieht.
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Tomasz Lewandowski
Kein anderer Ort ist so eng mit dem Leben und Wirken Martin Luthers verbunden wie das Lutherhaus in Wittenberg. Ursprünglich als Kloster der Augustiner-Eremiten errichtet, entwickelte sich das sogenannte Schwarze Kloster zu einem der bedeutendsten Schauplätze der Reformation.
Mehr als vier Jahrzehnte lebte Luther hier – zunächst als Mönch, später als Professor, Reformator, Familienvater und eine der bekanntesten Persönlichkeiten seiner Zeit. Im Lutherhaus entstanden zahlreiche seiner wichtigsten Schriften. Hier arbeitete er an der deutschen Bibelübersetzung und entwickelte Ideen, die Kirche, Gesellschaft und Bildung nachhaltig veränderten.
Als authentischer Wohn- und Wirkungsort dokumentiert das Lutherhaus die Entstehung und Verbreitung der Reformation wie kaum eine andere Stätte. Während das Gebäude umfassend saniert und für die Zukunft neu erschlossen wird, präsentiert das benachbarte Augusteum ausgewählte Höhepunkte der weltweit bedeutendsten reformationsgeschichtlichen Sammlung und bietet bis zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung faszinierende Einblicke in Leben, Werk und Wirkung Martin Luthers.
Matthias Keilholz
Die Stadtkirche St. Marien ist die älteste Pfarrkirche Wittenbergs und einer der wichtigsten Schauplätze der Reformation. Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg wirkte Martin Luther hier als Prediger und prägte das religiöse Leben der Stadt.
Seit 1512 war er als Theologieprofessor an der Universität tätig und predigte in dieser Funktion wohl auch in der Stadtkirche. Die ersten belegten Predigten stammen von 1514. Seine Worte müssen großen Anklang gefunden haben, denn als 1514/15 die Predigerstelle an der Stadtkirche neu zu besetzen war, erhielt Luther diese Position auf Dauer.
Nach den Unruhen in Wittenberg während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg gelang es ihm mit den berühmten Invokavitpredigten, die Bewegung zu befrieden und damit deutlich zu machen: Die Reformation stand nicht für Gewalt, sondern sollte sich durch Überzeugung verbreiten. Bereits im Herbst 1521 hatten Melanchthon und seine Anhänger das erste Abendmahl mit Brot und Wein in der Stadtkirche gefeiert.
Die Stadtkirche wurde zum Ausgangspunkt grundlegender Neuerungen des kirchlichen Lebens. 1525 fand erstmals ein vollständig deutschsprachiger Gottesdienst nach Luthers Ordnung statt. Bis heute ist sie ein lebendiger Gottesdienstort geblieben. Ihre historische Ausstattung und bedeutende Kunstwerke erzählen von einer Zeit tiefgreifender Umbrüche und machen die Geschichte der Reformation unmittelbar erfahrbar.
Foto Kirsch
Weltgeschichtliche Bedeutung erlangte die Schlosskirche im Jahr 1517. Mit seinen 95 Thesen wandte sich Luther gegen den Ablasshandel und formulierte seine grundlegende Kritik an kirchlichen Missständen. Ob die Thesen tatsächlich am Nordportal angeschlagen wurden oder zunächst als Schreiben an kirchliche Würdenträger gedacht waren, ist historisch nicht eindeutig belegt. Sicher ist jedoch, dass ihre Veröffentlichung von Wittenberg ausging und eine Bewegung in Gang setzte, die Europa tiefgreifend veränderte.
In den folgenden Jahrzehnten wurde die Schlosskirche zu einem wichtigen Schauplatz reformatorischer Auseinandersetzungen und ist bis heute eng mit den großen Persönlichkeiten der Reformation verbunden. Hier fanden Kurfürst Friedrich der Weise und Johann der Beständige ihre letzte Ruhestätte, ebenso Martin Luther, dessen sterbliche Überreste 1546 feierlich überführt wurden, sowie Philipp Melanchthon, der 1560 hier bestattet wurde.
Heute verbindet die Schlosskirche Geschichte und Gegenwart auf besondere Weise. Als Teil des UNESCO-Welterbes lädt sie dazu ein, den Ursprüngen der Reformation nachzuspüren. Gemeinsam mit dem Evangelischen Predigerseminar und der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek bildet sie bis heute ein lebendiges Zentrum der Beschäftigung mit Reformation und protestantischer Kulturgeschichte.
Tomasz Lewandowski | Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Als Hauptautor der Confessio Augustana, der ersten und bis heute maßgeblichen Darstellung von Lehre und Praxis der Wittenberger Reformation, prägte Melanchthon das evangelische Selbstverständnis entscheidend. Gemeinsam mit seinem Weggefährten Luther reformierte er die Universität Wittenberg und machte sie zu einem der bedeutendsten Bildungszentren Europas. Nicht ohne Grund erhielt er später den Beinamen „Praeceptor Germaniae“ – Lehrer Deutschlands.
Seit 1536 lebte und arbeitete Melanchthon in dem Haus in der Collegienstraße, das eigens für ihn errichtet wurde. Hier schrieb er bedeutende Werke, empfing Gelehrte und Studenten aus ganz Europa und gestaltete die religiösen und politischen Debatten seiner Zeit mit.
Als nahezu unverändert erhaltenes Gelehrtenhaus des 16. Jahrhunderts besitzt das Melanchthonhaus eine außergewöhnliche Authentizität. Die Ausstellung „Philipp Melanchthon. Leben – Werk – Wirkung“ führt durch die historischen Wohn- und Arbeitsräume und zeigt, wie seine Ideen zu Bildung, Glauben und Gesellschaft weit über Wittenberg hinaus Wirkung entfalteten.
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Lewandoski
1546 reiste Martin Luther, bereits mit angeschlagener Gesundheit, nach Eisleben um einen Streit zu schlichten. Nach intensiven Verhandlungen gelang es ihm, die Konfliktparteien zu einer Einigung zu bewegen. Bis zuletzt war er aktiv, predigte in der nahegelegenen Andreaskirche und ordinierte zwei evangelische Geistliche. In der Nacht vom 17. auf den 18. Februar 1546 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch. Sein Tod erschütterte Zeitgenossen im gesamten Reich. Von Eisleben aus trat sein Leichnam die letzte Reise nach Wittenberg an, wo er wenige Tage später in der Schlosskirche beigesetzt wurde.
Schon früh entwickelte sich das heutige Museum „Luthers Sterbehaus“ zu einem bedeutenden Erinnerungsort der Reformation. Hier verdichten sich die Ereignisse der letzten Lebenstage Martin Luthers zu einem eindrucksvollen Zeugnis reformationsgeschichtlicher Erinnerungskultur. Seit 1994 dient das Haus vollständig als Museum. Ein 2013 eröffneter Neubau erweitert die Präsentationsmöglichkeiten und eröffnet neue Perspektiven auf Luthers letzte Reise.
Die Ausstellung „Luthers letzter Weg“ widmet sich den letzten Wochen, Tagen und Stunden des Reformators. Originale Zeugnisse, kostbare Erinnerungsstücke und moderne Inszenierungen zeigen, wie die Nachricht von seinem Tod verbreitet wurde und weshalb die Erinnerung an Luther bis heute lebendig geblieben ist.







