Lutherhaus

Im Lutherhaus, einst als Augustinerkloster erbaut, lebte, arbeitete und wirkte Martin Luther über 35 Jahre lang – zunächst als Mönch, später als Reformator. Hier verfasste er seine 95 Thesen und entwickelte seine reformatorischen Ideen, hier hielt er Vorlesungen vor Studenten aus ganz Europa, hier fanden seine legendären Tischreden statt und hier entstanden seine Schriften, die die Welt veränderten. Hier lebte er mit seiner Frau Katharina von Bora, die Haus und Hof führte, und seinen Kindern.

Heute steht Ihnen das Lutherhaus als größtes reformationsgeschichtliches Museum der Welt offen. Die Ausstellung „Martin Luther: Leben. Werk. Wirkung“ zeigt rund 1.000 originale Exponate aus dem Leben und der Zeit des Reformators sowie aus seiner Wirkungsgeschichte. Der Besuch der Lutherstube, nahezu im Originalzustand erhalten, bildet dabei den Höhepunkt. Nirgendwo sind Sie dem Reformator näher.

Bild
links Baum und Wiese, mittig asphaltierter Weg - Hintergrund Lutherhaus, blauer Himmel
Bild
Das Refektorium

Weitere Highlights der Ausstellung sind die Werke Lucas Cranachs d.Ä., Luthers Kanzel aus der Stadtkirche Wittenberg, seine Mönchskutte sowie ein Erstdruck seiner Bibelübersetzung aus dem Jahr 1522. Auch die jungen Besucher*innen kommen auf ihre Kosten: Tölpel, Martin Luthers Hund, führt sie durch sein Zuhause, wo sie an unterschiedlichen Mitmachstationen die wichtigsten Exponate interaktiv entdecken können.

Bild
Innenräume des Lutherhauses
Bild
Die Lutherstube: 2 Fenster, ein Holztisch, alter verschlissener Holzboden

Unser Museumsflyer rund um das Lutherhaus: der klassische Flyer mit allen wichtigen Informationen sowie unsere Übersicht, der buchbaren Programme in Wittenberg.

Dokument
Dokument

Das Lutherhaus Wittenberg wurde am 28. September 2019 durch einen zertifizierten Erheber evaluiert und durch die Prüfstelle mit dem Zertifikat „Barrierefreiheit geprüft“ versehen:

  • teilweise barrierefrei für Menschen mit Gehbehinderung
  • teilweise barrierefrei für Menschen mit Hörbehinderung
  • teilweise barrierefrei für gehörlose Menschen,
  • teilweise barrierefrei für Menschen mit Sehbehinderung
  • teilweise barrierefrei für blinde Menschen

Weitere Informationen unter www.reisen-fuer-alle.de

  • Eingang
    Der Eingang des Museums befindet sich ca. 150 Meter von der Collegienstraße entfernt. Der Weg führt durch einen ebenerdigen Durchgang von der Straße auf den Hof.
  • Parkmöglichkeiten
    In unmittelbarer Umgebung stehen städtische Parkplätze zur Verfügung.
  • Zugänglichkeit der Ausstellungsräume / Aufzüge
    Die Ausstellungsräume sind leider nur teilweise ebenerdig mit Aufzügen zugänglich. Das Außengelände ist nur über Stufen zugänglich.
  • Toiletten
    Eine behindertengerechte und barrierefrei zugängliche Toilette befindet sich im Erdgeschoss.
  • Garderoben
    Schließfächer sind ebenerdig zu erreichen.
Bild
Icon für Gehbehinderung: ein Mensch geht am Stock und vor ihm steht ein Rollstuhl
Bild
Icon für sehgeschädigte Personen: ein Mensch geht mit Blindenstock
Bild
Icon für Sehbehinderung: eine Brille
Bild
Icon für Gehörlose: zwei gestikulierende Hände
Bild
Denkmal "Schwester zu Pflugscharen", im Vordergrund Rasen, im Hintergrund Hauswand

Schwerter zu Pflugscharen

Am 24. September 1983 findet auf dem Lutherhof zu Wittenberg die Schmiedeaktion „Schwerter zu Pflugscharen” statt. Gegen 21.30 Uhr versammeln sich über 600 Menschen. Der Friedenskreis um Pfarrer Friedrich Schorlemmer hat die Aktion vorbereitet. Zu Beginn wird ein Schwert festlich in den Hof getragen, begleitet von Gebeten und Gesängen. Die „Schmiedeliturgie” setzt sich fort, während der Wittenberger Kunstschmied Stefan Nau das Schwert in heißer Kohle zum Glühen bringt und es in anderthalb Stunden auf dem Amboss umschmiedet. Dies entspricht der alttestamentlichen Forderung, Schwerter zu Pflugscharen zu verwandeln, also aus einem Kriegsgerät ein Gerät für den Erhalt des Lebens zu machen. Die Teilnehmer*innen klatschen im Rhythmus des Hämmerns und hören den Texten von Friedrich Schorlemmer und Jürgen Rennert sowie den Liedern der Musikgruppe Baltruweit zu.

Seit 1980 begeistert die Forderung „Schwerter zu Pflugscharen” gerade viele junge Leute in der DDR. Nach der Skulptur des russischen Bildhauers Jewgeni Wiktorowitsch Wutschetitsch entsteht ein Emblem, das als textiler Aufnäher produziert wird, um die staatliche Zensur von Druckerzeugnissen zu umgehen. Der Staat greift streng durch und bestraft die Anhänger der Aktion wegen „Störung des sozialistischen Zusammenlebens”. Es kommt zu Verweisen von Schule und Universität. Etwa 100.000 Menschen beteiligen sich an der Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen”, die als größte Oppositionsbewegung der DDR vor der friedlichen Revolution und zugleich als wichtige Etappe auf dem Weg dahin gilt. So wird verständlich, weshalb der „Runde Tisch” im Frühjahr 1990 als neues Staatswappen das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen” vorschlägt.

Die Schmiedeaktion wie die gesamte Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen” bezeugen den Willen zu Freiheit und Frieden und zugleich den Mut vieler Menschen in der DDR. Sie verdienen den Respekt und die Erinnerung der Nachgeboren. Deshalb hat die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zusammen mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle 2015/16 einen Kunstwettbewerb zur Gestaltung eines Erinnerungsmals durchgeführt. Das Kunstwerk des Hallenser Künstler Michael Krenz (geb. 1974) ist seit März 2017 im Lutherhof zu sehen. Die Stahlplastik zeigt die Schmiedewerkzeuge als scherenschnittartige Negativformen: In der DDR war es verboten, das Emblem „Schwerter zu Pflugscharen” zu zeigen. Die Leerformen regen die Betrachter an, sie in Gedanken zusammenzufügen: Sie besitzen jetzt alles, um ein Schwert in einen Pflug zu verwandeln. Das spielerische Moment des Bildprogramms erinnert an die kraftvoll-fröhliche Aufbruchstimmung der Schmiedeaktion vom 24. September 1983.

Zivilcourage ist ein wesentliches Element der ethischen Grundsätze von LIONS International. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von LIONS International im Jahr 2017 hat deshalb der Lionsclub Wittenberg mit großzügiger Unterstützung weiterer Lionsclubs aus dem gesamten Bundesgebiets sowie dank der Eigeninitative einzelner Amtsträger der Lions-Organisation die Errichtung dieses Denkmals ermöglicht. Damit konnte ein Zeichen der Zivilcourage für engagiertes bürgerliches Handeln, für Freiheit des Denkens und für eine friedliche Verständigen unter den Völkern gesetzt werden.