Martin Luther: Geburt und Taufe
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Am 10. November feiern wir Martin Luthers Geburtstag. Ein besonders wichtiger Tag war aber auch der darauffolgende. Wie im ausgehenden Mittelalter üblich, fand Martins Taufe direkt am Tag nach seiner Geburt statt. Der 11. November ist der Gedenktag des Heiligen Martin von Tours. Dass der spätere Reformator den Vornamen Martin erhielt war also kein Zufall. Die Taufe war für die gläubigen Christen ein wichtiger Schritt nach der Geburt eines Kindes, denn der Augustinischen Erbsünden-Lehre zufolge war das Kind in Sünde geboren. Die Taufe galt nicht nur als Zusage zu Gott, sondern auch als Absage an den Teufel. Um das Kind vor dem Eintritt in die christliche Kirche komplett vom Teufel zu befreien, gehörte ein Exorzismus zur Taufe dazu. Ganz anders, als man es sich heute vielleicht vorstellen mag, geschah dies durch Gebete, die Gott um die Vertreibung des Bösen baten.
Mit der Reformation veränderte Martin Luther vieles in der Kirche. Der Taufritus blieb jedoch zu weiten Teilen gleich. In Luthers Taufbüchlein ist er genau festgehalten. Auch der Exorzismus spielt bei ihm eine wichtige Rolle. Er ist Teil der vor der eigentlichen Taufe erfolgenden Reinigung. Diese besteht aus einem kleinen Exorzismus mit den Worten „Fahr aus, Du unreiner Geist, und gib Raum dem heiligen Geist.“, Gebeten zur Aufnahme des Kindes und einem zweiten, bestärkenden Exorzismus. Am Taufbecken werden dann die entscheidenden Fragen gestellt: Entsagst Du dem Teufel? Und allen seinen Werken? Und allen seinen Wesen? Willst du getauft sein? Natürlich kann das Neugeborene auf diese Fragen nicht selbst antworten. An dieser Stelle antworten die Paten für den Täufling – bestenfalls – mit ja.