Johann der Beständige wird Alleinherrscher Sachsens
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Kurfürst Johann der Beständige von Sachsen, Lucas Cranach d. Ä. (Werkstatt), um 1560
Vor 500 Jahren ...
wurde Johann der Beständige zum Alleinherrscher von Sachsen. Zwischen seinem berühmten Bruder Friedrich dem Weisen und seinem kämpferischen Sohn Johann Friedrich dem Großmütigem blieb er in der Geschichtsschreibung oft ungesehen. Doch Johann leistete in seiner Beständigkeit einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der Reformation.
Im Schatten des großen Bruders?
Johann war eines von sieben Kindern des Kurfürsten Ernst von Sachsen und dessen Frau Elisabeth von Bayern. Mit drei älteren Brüdern, Friedrich, Ernst und Adalbert, stand er in der Erbfolge weit unten. Der Vater verfügte jedoch in seinem Testament, dass Friedrich und Johann sein Erbe antreten sollten. Ernst und Adalbert wandten sich einer Karriere in der Kirche zu.
Mit dem Tod des Vater 1486 übernahmen nun also Friedrich und Johann mit 23 und 18 Jahren die Herrschaft in Sachsen. Friedrich bekam als älterer Bruder die Kurwürde übertragen, während beide den Titel Herzog von Sachsen, Landgraf in Thüringen und Markgraf zu Meißen führten. Johann vertrat seinen Bruder vor allem dann, wenn sich dieser für längere Zeit am Hof des Kaisers aufhielt. Er selbst nahm an mehreren Reichstagen teil und genoss das volle Vertrauen des ranghöheren Friedrich bei allen Entscheidungen, die er traf. Mit der gemeinsam beschlossenen Verwaltungsteilung 1513 festigten die Brüder die bisher geteilten Regierungsaufgaben. Johann war nun für die Gebiete Thüringen, Vogtland und die Pflege Coburg zuständig und baute seinen Hof in Weimar aus. Friedrich hielt sich weiterhin hauptsächlich in Wittenberg und Torgau auf und kümmerte sich insbesondere um Reichsangelegenheiten.
Ganz und gar brüderlich sprachen sich Johann und Friedrich in allen Belangen des gemeinsamen Besitzes ab. Fast täglich schrieben sie sich Briefe. Johanns Meinung, Ideen und Ratschläge hatten in diesem Austausch einen hohen Stellenwert für Friedrich – auch wenn es um Martin Luther und die Reformation ging.
Friedrich, Johann und der Reformator
Die Rolle Friedrichs in der Reformation und seine Beziehung zu Martin Luther lässt sich als schützende Hand aus der Ferne beschreiben. Er gilt als der Protektor des Reformators, der sich für dessen Anhörung vor Kaiser Karl V. auf dem Reichstag in Worms einsetzte. Er bot ihm Schutz und Geleit auf dem Weg dorthin, rettete ihn durch die Entführung auf die Wartburg vor seinen Gegnern und sicherte den unbeschadeten Aufenthalt Luthers in seinem Herrschaftsgebiet. Persönlich trafen sich die beiden vermutlich nie. Zum neuen Glauben bekannte er sich erst auf seinem Sterbebett.
Johann dagegen war schon früh Feuer und Flamme für Luther und die Reformation. Bereits 1519 besaß er mehrere Schriften Luthers und erbat die Anfertigung eines Porträts des Reformators durch den Hofmaler Lucas Cranach d. Ä. Luthers „Sermon von den guten Werken“ war Johann gewidmet. Vermutlich bestärkten die Inhalte dieser Schrift ihn in seiner Befürwortung des neuen Glaubens. Ende 1522 ließ er Martin Luther an seinem Hof in Weimar predigen. Aus diesen Predigten entstand die Schrift „Von weltlicher Obrigkeit“, mit Luthers Ausführungen zum geistlichen und weltlichen Regiment, nach denen sich Johann fortan richtete. Bald folgten der Einsatz reformatorischer Prediger im eigenen Herrschaftsgebiet, die Abschaffung der Fronleichnamsprozession in Weimar und das Abwimmeln antireformatorischer Beschwerden am Hof.
Johann als Kurfürst
Friedrich der Weise starb im Mai 1525. Er hatte keine ehelichen Söhne und so war es selbstverständlich, dass die Herrschaft über das gesamte sächsische Gebiet und die Kurwürde auf Johann übergingen. Dieser war mittlerweile bereits zum zweiten Mal verwitwet. Aus der ersten Ehe mit Sophie von Mecklenburg, die 1503 verstorben war, ging der Thronfolger Johann Friedrich I. hervor. Mit seiner zweiten Frau Margarete von Anhalt hatte er vier weitere Kinder, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten.
Mit der Übernahme der Alleinherrschaft führte Johann die Umsetzung der Reformation im gesamten sächsischen Gebiet fort. Nicht mehr nur durch Duldung, sondern durch gezielte politische Entscheidungen förderte er die Ausbreitung der neuen Lehre. Martin Luther war dabei sein engster Berater. Aber auch außerhalb seines Herrschaftsgebietes wurde der Kurfürst tätig. Bereits im Herbst 1525 schlossen sich Sachsen, Hessen und Brandenburg-Kulmbach zu einem protestantischen Schutzbündnis zusammen und legten damit den Grundstein für die Durchsetzung reformatorischer Interessen auf Reichsebene.
Die enge Verbundenheit mit Luther und Johanns Überzeugung, dass allein dessen Theologie die richtige sei, zeigte sich insbesondere in der Erarbeitung der Confessio Augustana. Der Kurfürst setzte sich, entgegen der Meinung seines Bündnispartners Philipp von Hessen, dafür ein, dass in diesem protestantischen Bekenntnis andere reformatorische Bewegungen, wie die Zwinglis in der Schweiz, ausgeschlossen werden müssen. Er riskierte damit nicht nur die Zersplitterung der reformatorischen Bewegung auf politischer Ebene, sondern auch die Entzweiung mit Hessen.
Die Vorlage des Bekenntnisses auf dem Augsburger Reichstag 1530 war jedoch erfolglos. Die Ausführungen wurden nicht vom Kaiser erhört. Ganz im Gegenteil forderte dieser die Befürworter des neuen Glaubens sogar auf, ihrem eigenen Bekenntnis zu widersprechen. Um gegen die nun drohenden kriegerischen Auseinandersetzungen gewappnet zu sein, gründete Johann 1531, ein Jahr vor seinem Tod, gemeinsam mit einer Vielzahl von Vertretern protestantischer Städte und Territorien den Schmalkaldischen Bund – die letzte große Tat des beständigen Verfechters der Reformation.