Tagung: Blochs Müntzer. Kontexte - Rezeptionen - Potenziale
Wissenschaftliche Tagung der Ernst-Bloch-Gesellschaft, Thomas-Müntzer-Gesellschaft, Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt und Stiftung Leucorea.
Der Reformator Thomas Müntzer wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts meist als Revolutionär und Anwalt des „gemeinen Mannes“ wahrgenommen. Wesentlich dazu beigetragen hat der bedeutende marxistische Philosoph Ernst Bloch (1885-1977) mit seinem Buch „Thomas Müntzer als Theologe der Revolution“, das insbesondere auch von der westdeutschen 68er-Bewegung stark rezipiert wurde. Dieser einflussreichen Annäherung und dem Müntzer-Bild Blochs widmet sich die wissenschaftliche Tagung.
Ernst Bloch war einer der wichtigsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Seine Philosophie ist durch den Marxismus mit starker Nähe zu utopischem Denken geprägt. Sein Werk kreist um die Frage nach Hoffnung, Zukunft und die Sehnsucht nach einer besseren Welt, unter anderem in den Schriften „Der Geist der Utopie“ (1918) und „Das Prinzip Hoffnung“ (1954-59).
Eine zentrale Rolle spielt auch Blochs 1921 erschienene Studie „Thomas Müntzer als Theologe der Revolution“, in der er den radikalen Reformator der Bauernkriegszeit Anfang des 16. Jahrhunderts als Vorkämpfer revolutionärer Praxis deutet. Bloch las Müntzer nicht nur als religiöse Gestalt, sondern auch als Sprachrohr einer unterdrückten Klasse, die nach einer gerechten Gesellschaft im Bündnis von Glauben und sozialem Aufstand strebte. Dabei verband der Philosoph christliche Erlösungsmotive mit marxistischer Utopie.
Zum 500. Jahrestag des Bauernkriegs werden renommierte Expertinnen und Experten aus der Blochforschung ebenso wie aus der Müntzerforschung erwartet. Sie nehmen den historischen, politischen und theologischen Kontext von Blochs Schrift in den Blick sowie ihre Rezeption und bleibende Bedeutung. Während der interdisziplinären Tagung diskutieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, der Schweiz und den USA auch die aktuelle Relevanz des Buches.
Programm
Freitag, der 21. November
Kontexte
14:00 | Dr. Beat Dietschy: "Das Neue will noch nicht werden“. Blochs Müntzerbuch
im Kontext seines Denkens
15:00 | Kaffeepause
15:30 | Dr. Marion Dammaschke: „Der Utopist wirft seinen Anker aus“. Anmerkungen zur Entstehungs- und Editionsgeschichte von Ernst Blochs Buch „Thomas Münzer als Theologe der Revolution“
16:30 | Kaffeepause
17:00 | Werner Wild: Blochs Müntzer-Buch im politischen Kontext der 1920er Jahre
18:00 | Dr. Karl Tetzlaff: „Luther bog die Freiheit nach den Fürstenwünschen zurecht“. Kontexte der Lutherkritik in Blochs Müntzer-Buch
19:30 | Abendessen
Samstag, der 22. November
Rezeptionen
10:00 | Prof. Dr. Stefan Michel: „… gründlicher als seine sozialistischen Vorgänger …“. Ernst Blochs Müntzer-Buch als Anregung für die Kirchengeschichte
11:00 | Dr. Martin Treml: Thomas Müntzer und Ernst Bloch im Denken von Jacob Taubes
12:00 | Mittagspause
13:30 | Prof. Dr. Georg Essen: „Theologie der Revolution“. Über die Ungleichzeitigkeit einer Theologie, die einst an der Zeit war
14:30 | Kaffeepause
15:00 | Prof. Dr. Loren Goldman: „An annoying book“. Zur Rezeptionsgeschichte von Blochs Müntzer im angelsächsischen Raum
16:00 | Dr. Nora Hilgert: Ernst Blochs Einfluss auf die mediale Rezeption Müntzers und seine Rezeption der Medien
17:30 | Führung durch die LutherMuseen durch Dr. Thomas T. Müller
19:00 | Abendessen
20:30 | Dr. Thomas T. Müller & Dr. Dietrich Sagert: Eric Vuillard, „Der Krieg der Armen“ Szenische Lesung mit historischer Einführung
Sonntag, der 23. November
Potenziale
10:00 | Prof. Dr. Rainer E. Zimmermann: Blochs Umgang mit Geschichte – Risiken und Potenziale
11:00 | Prof. Dr. Gunnar Hindrichs: Revolutionärer Geist
12.00 | Abschlussdiskussion