MUSEUM NACH FEIERABEND - Luther und der Moderne Kapitalismus – Eine Spurenlese

 | 18:30 Uhr
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Wittenberg
Lesung/Vortrag

Museum nach Feierabend


Luther – ein tüchtiger Ökonom? Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. Doch ergibt sich in der Nachlese zentraler Schriften Luthers, wie etwa der programmatischen Streitschrift “Von Kauffshandlung vnd Wucher” (1524) – einer der (Wirtschafts)Bestseller seiner Zeit – das Bild eines Menschen, der sich neben Religion und Politik mehrfach dezidiert zum Wirtschaftsleben seiner Zeit geäußert hat. Hierbei ging er Fragen an, welche die Menschen bis in unsere Zeit beschäftigen: Was ist ein Profit und wieviel ist genug? Was ist ein gerechter Unternehmensgewinn? Was ist ein Zins, und bis zu welcher Höhe darf ich Zinsen nehmen? Wie funktionieren Märkte? Wie sollten sie funktionieren, um zum Wohle aller – dem Gemeinen Nutzen – beizutragen? Wie sollten sich Handels- und Zahlungsströme gestalten, warum sollte die Politik bisweilen in den Wirtschaftszyklus eingreifen, um das Gemeinwohl zu sichern?  Wieviel Wettbewerb ist nötig, wieviel möglich? Welche Rolle kann der Staat im Wirtschaftsprozesses spielen? 


Alle diese Fragen griff Luther auf, da er sich innerhalb seines schillernden Lebens als Reformator und Person einer beginnenden Öffentlichkeit neben der Politik immer wieder auch zu materiellen Fragen den schnöden Mammon betreffend äußern musste. Seine Reformation hat den modernen Kapitalismus zwar nicht begründet, doch nahm sie entscheidende Griffe an den Stellschrauben vor. Seine Lehre nahm zentralen Einfluss darauf, wie sich Kapitalismus und Wirtschaftsleben nach 1500 entwickelten, ebenso wie Wirtschaft und Kapitalismus der Lutherzeit Spuren in seiner Theologie hinterließen. Was können wir daher von Luther lernen? Wie stand Luther zum Kapitalismus und Wirtschaftsleben seiner Zeit? Der Vortrag begibt sich auf eine Spurenlese dieser Verbindungen, die bis heute nachwirken, – selbst in unsere zunehmend polykonfessionellen bzw. atheistischen Gesellschaften hinein.


Referentin

*1977, Ph.D. (Economic History, University of Edinburgh, 2007); Dr. phil. habil. (Habilitation, Universität Leipzig, 2011). 2007–2012 Assistant Professor, Universität Leipzig; 2012–2017 Lecturer, 2017– Senior Lecturer (Associate Professor), 2020- Professor (Lehrstuhl) in Early Modern History, The University of Manchester; 2013–2015 Heisenbergstipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG); 2016–2020 Mitglied des „Jungen Forums“ der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. 2013 Walter Hävernick Preis der Numismatischen Kommission der Länder der Bundesrepublik Deutschland fuer die Habilitationsschrift Deflation – Devaluation – Rebellion. Geld im Zeitalter der Reformation, Stuttgart: Franz Steiner, 2012).