Die Heilquellen von Hornhausen 1646 und die lutherischen Wunderbrunnen in der frühen Neuzeit
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Tomasz Lewandowski
Museum nach Feierabend
Wunderbrunnen waren ein in den lutherischen Territorien der frühen Neuzeit weitverbreitetes Phänomen, das gleichwohl bisher fast unbekannt war. Es handelte sich um Wasserquellen, denen man eine universelle Heilkraft nachsagte; sie sollten alle Krankheiten, auch als unheilbar angesehene Gebrechen, heilen oder bessern können. Die dort geschehenen Kuren wurden deshalb als Wunder interpretiert, wie Gott sie zu den Zeiten des Alten und Neuen Testamentes gewirkt hatte. Die Entdeckung dieser als „Wunder-“ oder „Gnadenbrunnen“ bezeichneten Heilquellen führte regelmäßig zu einem Zulauf von Hunderten, häufig auch Tausenden Personen, die in improvisierten Brunnenlagern auf ihre Heilung hofften oder als Schaulustige an den wunderbaren Vorgängen teilnahmen. Ein entscheidendes Ereignis in der Geschichte dieser speziellen Heilquellen war die Entdeckung der Wunderbrunnen von Hornhausen bei Halberstadt 1646, die wohl 100 000 Menschen anzogen und die kirchliche Betreuung der Kuren fest etablierte. Über dieses Ereignis und seine Folgen berichtet der Vortrag.
Referent
PD Dr. Hartmut Kühne, geb. 1965 in Magdeburg, studierte an der Kirchlichen Hochschule Berlin (Ost) und an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin Evangelische Theologie. Von 1993 bis 2008 war er an der Humboldt-Universität zu Berlin als wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Assistent tätig. Er übernahm Lehraufträge an der Technischen Universität Berlin (Mittelalterliche Geschichte) und an der Theologischen Fakultät in Göttingen (Kirchengeschichte) und ist seit 2008 Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte beim Amt für kirchliche Dienste in Brandenburg. Seit 2009 war er vor allem freiberuflich für verschiedene Ausstellungs- und Forschungsprojekte tätig. Zuletzt war er Kurator der Doppelausstellung „Pilgerspuren“ im Museum Lüneburg und im Schwedenspeicher Stade im Jahre 2020. Im November 2022 reichte er seine Habilitationsschrift „Die lutherischen Wunderbrunnen. Studien zur Alltags- und Kulturgeschichte des Protestantismus im Alten Reich vom 16. bis zum 18. Jahrhundert“ bei der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig ein; das Verfahren wurde im Dezember 2025 erfolgreich abgeschlossen. Im WS 2024/25 vertrat er den Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Leipzig. Ab 2026 wird er als Stipendiat der Gerda Henkel Stiftung eine Edition zum Nördlinger Kirchbauablass von 1480-1484 vorbereiten.
Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit, insbesondere die Wallfahrtsforschung und die Frömmigkeitsgeschichte des frühneuzeitlichen Luthertums.