Dem Tod die Suppe versalzen! Morbide Geschichten aus dem Mittelalter und der Neuzeit
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt | Tomasz Lewandowski
Museum nach Feierabend
Jene Menschen, die für einen angemessenen Umgang mit Verstorbenen zuständig waren, hatten es in der Geschichte nicht immer leicht. Besonders schwierig wurde es zum Beispiel immer dann, wenn es sich bei der lieben Leiche um einen Prominenten handelte und der Sterbeort ärgerlicherweise hunderte Kilometer vom längst vorgesehenen Bestattungsort entfernt lag. So berichtete der italienische Gelehrte, Historiker und Philosoph Boncompagno da Signa im frühen 13. Jahrhundert davon, dass die Deutschen in Fällen, in denen ihre Kaiser oder Könige in fremden Ländern verstarben, deren Eingeweide entnahmen und vor Ort bestatten. Das Übrige ließen sie so lange in Kesseln abkochen, bis alles Fleisch, die Sehnen und die Knorpel von den Knochen getrennt waren. „Diese Knochen, gewaschen in wohlriechendem Wein und bestreut mit Spezereien, bringen sie dann anschließend in ihre Heimat fort“, beschrieb der Italiener. Thomas T. Müller wird in seinem Vortrag über Erschreckendes, aber auch Erheiterndes rund um den Tod berichten.
Referent
Dr. Thomas T. Müller, geboren 1974 im thüringischen Eichsfeld. Studium der Ur- und Frühgeschichte, Mittleren und Neueren Geschichte, Kunstgeschichte und Archivwissenschaften in Göttingen, Erfurt und Potsdam. 1999 bis 2005 Leiter des Stadtarchivs Heilbad Heiligenstadt. Ab 2006 Direktor der Mühlhäuser Museen. Umfangreiche Herausgebertätigkeit, Autor zahlreicher Publikationen in Zeitschriften und Sammelbänden sowie eigenständiger Schriften zu Reformation und Bauernkrieg. 2016 Promotion zum Thema Bauernkrieg im Umfeld Mühlhausens an der Universität Hannover. Seit 1. Februar 2023 Direktor der LutherMuseen in Wittenberg, Eisleben und Mansfeld.