1525! Aufstand für Gerechtigkeyt in Eisleben
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
In dieser Mitmachausstellung in Eisleben und Mansfeld lässt sich das Leben zur Zeit des Bauernkriegs auf ungewöhnliche Weise nachvollziehen: Ein großes begehbares Spielbrett ermöglicht es den Besucherinnen und Besuchern, in die Rollen der damals Beteiligten zu schlüpfen und die Zeit unmittelbar vor dem Aufstand aus verschiedenen Perspektiven zu erleben.
Die nachfolgenden Texte geben Hintergründe und weiterführende Informationen zur Ausstellung in Eisleben.
Kasse machen
Der Bauernkrieg fiel in eine Zeit großer Veränderungen. Wirtschaftliche Umwälzungen und der stark anwachsende Handel erforderten eine Reform des Münzsystems. Verschiedene Territorien, darunter die sächsischen Herzogtümer und die Städte des Heiligen Römischen Reiches, prägten ihre eigenen Münzen. Die Vielzahl von unterschiedlichen Münzsorten erschwerte jedoch den Handel und führte zu Forderungen nach einheitlichen Münzstandards.
Ein markantes Beispiel ist die Einführung des Guldengroschens (später als Taler bekannt), der seit dem frühen 16. Jahrhundert in Sachsen geprägt wurde. Diese Silbermünze spielte eine Schlüsselrolle bei der Vereinheitlichung des Münzwesens und setzte neue Maßstäbe für den Wert von Münzen in ganz Europa. Trotz dieser Bemühungen blieb die Vielzahl unterschiedlicher Münzsorten und komplizierte Umrechnungskurse weiterhin ein großes Problem.
Gib mir deinen Zehnten
In der Zeit des Deutschen Bauernkriegs (1524–1525) spielten verschiedene Arten von Abgaben und Steuern eine zentrale Rolle im Leben der ländlichen Bevölkerung. Diese finanzielle Last trug maßgeblich zur Unzufriedenheit und den Aufständen der Bauern bei.
Zu den bedeutendsten Abgaben gehörte der Großzehnt, der von den Bauern an die Kirche gezahlt werden musste. Er umfasste etwa den zehnten Teil der Ernteerträge von Getreide und anderen wichtigen Feldfrüchten. Daneben gab es den Kleinzehnt, der sich auf kleinere landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Obst, Gemüse und kleinere Getreidearten erstreckte. Zusätzlich gab es diverse Geldabgaben und Naturalabgaben, die an weltliche und geistliche Herren entrichtet werden mussten, wie den Weinzehnt, den Holzzehnt und andere mehr. Neben den Zehnten mussten die Bauern auch Frondienste leisten, also unentgeltliche Arbeitsleistungen auf den Ländereien ihrer Grundherren. Besonderen Unmut bei der ländlichen Bevölkerung löste auch die sogenannte Todfallabgabe aus, eine Art Erbschaftssteuer, bei der das beste Stück Vieh oder das beste Kleid im Hause an den Grundherren fiel.
Druck machen
Die Erfindung der Druckerpresse durch Johannes Gutenberg um 1440 revolutionierte die Verbreitung von Informationen. In der Anfangszeit der Reformation nutzte Martin Luther die Druckerpresse, um seine Schriften weit zu verbreiten. Durch gedruckte Flugschriften und Bibelübersetzungen in deutscher Sprache erreichten seine Ideen schnell ein breites Publikum und trugen wesentlich zur Verbreitung der reformatorischen Gedanken bei. Die Druckerpresse ermöglichte es, dass Wissen und religiöse Lehren nicht mehr allein im Machtbereich der Kirche blieben, sondern in die Hände der allgemeinen Bevölkerung gelangten.
Im Kontext des Bauernkriegs hatte die Druckerpresse ebenfalls eine wichtige Funktion. Die Aufstände von 1524/25 waren die ersten überhaupt, die sich des Mediums des Buchdrucks bedienen konnten. Flugschriften und Artikel, die die Beschwerden und Forderungen der aufständischen Bauern darlegten, konnten in großer Zahl gedruckt werden und verbreiteten sich andere Aufstandsgebiete. Aber auch die Schriften Luthers, in der er die Bauern zur Mäßigung aufrief, erschienen rasch im Druck – genau wie sein Aufruf an die Fürsten, die „mörderischen Rotten der Bauern“ niederzuschlagen, den er verfasste, als seine Ermahnungen nicht verfingen.
Fordere selbst
Die Zwölf Artikel von Memmingen, verfasst im März 1525, gelten als eines der bedeutendsten Dokumente des Deutschen Bauernkriegs. Sie stellen eine Zusammenfassung der Forderungen der aufständischen Bauern dar und sind ein frühes Zeugnis für den Kampf um soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte.
Entstanden in Memmingen, einer Stadt in Oberschwaben, wurden die Zwölf Artikel von Vertretern der oberschwäbischen Bauern formuliert. Sie forderten unter anderem die Abschaffung der Leibeigenschaft, eine gerechte Verteilung der kirchlichen Zehnten, das Recht auf freie Pfarrerwahl und die Rückgabe von unrechtmäßig enteigneten Allmenden, also gemeinschaftlich genutzten Landflächen, an die Bauern.
Die Zwölf Artikel verbreiteten sich schnell dank der damals neuen Drucktechnik und fanden in vielen Regionen des Reiches Widerhall. Sie wurden in Flugschriften gedruckt und weckten breite Unterstützung bei den bäuerlichen und städtischen Bevölkerungsschichten.
Die Memminger Artikel wurden vielerorts von den Aufständischen aufgegriffen, aber es gab auch weitere Versuche, gegen die empfundenen Missstände eigene Artikel aufzustellen. Diese reichten von sehr allgemeinen Forderungen bis hin sehr konkreten, vor allem regional bedeutsamen Anliegen, wie etwa die Abschaffung von Abgaben für die Benutzung von Gemeinschaftsbacköfen.
Kirche im Wandel
Die Reformation brachte nicht nur tiefgreifende theologische und gesellschaftliche Umwälzungen, sondern führte auch zu bedeutenden Veränderungen im Kircheninneren. Diese Veränderungen spiegelten die neuen religiösen Überzeugungen und Praktiken wider, die von Reformatoren wie Martin Luther propagiert wurden.
Ein markanter Aspekt war die Entfernung der Nebenaltäre und Heiligenfiguren. Reformatoren lehnten den Heiligenkult ab und betrachteten ihn als ablenkend vom zentralen christlichen Glauben. Die Kirchenräume wurden vereinfacht, um den Fokus auf die Verkündigung des Wortes Gottes und das zentrale Altarbild zu richten. Nebenaltäre, die oft zur Verehrung spezifischer Heiliger dienten, wurden entfernt oder umgestaltet.
Die Versetzung des Taufsteins spielte ebenfalls eine wichtige Rolle. Im katholischen Ritus befanden sich Taufsteine häufig in einer separaten Taufkapelle oder im hinteren Bereich der Kirche. Die Reformatoren brachten den Taufstein oft in den vorderen Bereich der Kirche, näher zum Altar, um die Taufe als zentrales Sakrament hervorzuheben und ihre Bedeutung für die Gemeinschaft der Gläubigen zu betonen.
Weitere Änderungen betrafen die Ausstattung und Dekoration der Kirchen. Bilder und kunstvolle Verzierungen, die nicht direkt biblischen Inhalt hatten, wurden oft entfernt oder übermalt. Die Predigt und das Lesen der Bibel rückten in den Mittelpunkt des Gottesdienstes, was sich auch in der Architektur widerspiegelte: Kanzeln wurden prominenter platziert und (soweit schon Kirchenbänke vorhanden waren) die Sitzanordnung verändert, um eine bessere Sicht auf den Prediger zu gewährleisten.
Bildersturm
Der Bildersturm, also die gewaltsame Entfernung und Zerstörung religiöser Kunstwerke, war ein prägnantes Phänomen während der Reformationszeit und des Bauernkriegs. Obwohl es nur wenige belegte Fälle von sogenanntem Ikonoklasmus während des Bauernkriegs gibt, wie beispielsweise in Mühlhausen (Thüringen), spiegeln diese Ereignisse den tiefen Konflikt und die religiösen Spannungen jener Zeit wider.
Die Aufständischen, beeinflusst von reformatorischen Ideen, sahen in den religiösen Bildern und Statuen Symbole für den Missbrauch der Kirche und den Aberglauben. Die Zerstörung dieser Kunstwerke war ein Ausdruck ihrer Ablehnung des alten kirchlichen Systems und ein Schritt hin zur Errichtung einer neuen, gereinigten Form des Gottesdienstes.
Der Bildersturm verdeutlichte die tiefe Spaltung innerhalb der Gesellschaft und der Kirche. Während viele Bauern und Reformatoren die Entfernung religiöser Bilder als notwendigen Schritt zur Reinheit des Glaubens betrachteten, verteidigten andere die künstlerische und spirituelle Bedeutung dieser Werke. Hinzu kam, dass die kirchlichen Bildwerke oftmals von den lokalen Bürgersfamilien gestiftet worden waren, die damit ihre Frömmigkeit und ihren sozialen Status ausdrückten und die sich ebenfalls dagegen verwahrten, dass ihre Stiftungen den Zerstörungen anheimfallen sollten. Vielerorts blieben die religiösen Bildwerke auch in nun protestantischen Kirchen stehen und wurden oftmals erst nach Protesten der Kirchenoberen entfernt. Viele landeten in sogenannten „Götzenkammern“: Verschlägen auf Dachböden und anderen Abstellräumen, wo sie manchmal für Jahrhunderte in Vergessenheit gerieten.
Hilf der Nonne
Ermutigt durch Schriften der Reformation entschieden sich viele Nonnen und Mönche, ihre Klöster zu verlassen und ein neues Leben jenseits der Klostermauern zu suchen. Diese Fluchten waren sowohl Ausdruck persönlicher Glaubensentscheidungen als auch Reaktionen auf die gesellschaftlichen Veränderungen.
Die Reformation, angestoßen durch Martin Luther, stellte die traditionelle Rolle der Klöster infrage. Luther selbst prangerte das klösterliche Leben als nicht in der Bibel begründet an und forderte die Rückkehr zu einem einfachen, auf das Evangelium fokussierten Glauben. Infolge dieser Lehren verließen zahlreiche Nonnen und Mönche ihre Gemeinschaften. Ein bekanntes Beispiel ist die Flucht von Katharina von Bora und mehreren anderen Nonnen aus dem Zisterzienserkloster Nimbschen im Jahr 1523. Sie schlossen sich der reformatorischen Bewegung an, und Katharina heiratete später Martin Luther. Auch die Zisterziensernonne Ottilie von Gersen war 1523 aus ihrem Kloster in Wiederstedt geflohen und heiratete kurz darauf Thomas Müntzer in Allstedt, den sie vermutlich bereits Jahre zuvor als geistlichen Beistand kennengelernt hatte.
Während des Bauernkriegs wurden viele Klöster zu Zielen der aufständischen Bauern. Die Unruhen und Gewaltakte führten ebenfalls dazu, dass Nonnen und Mönche ihre Klöster verließen. Nachdem zahlreiche Klöster infolgedessen aufgelöst wurden, suchten manche ihrer ehemaligen Bewohner Schutz in den Städten oder kehrten zu ihren Familien zurück, während andere sich der neuen protestantischen Lehre zuwandten, heirateten und weltliche Berufe ergriffen.