1525! Aufstand für Gerechtigkeyt in Mansfeld

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dunkler Hintegrund, Comicfiguren in der Mitte, roter Titel "1525! Aufstand für Gerechtigkeyt"
Mansfeld

In dieser Mitmachausstellung in Eisleben und Mansfeld lässt sich das Leben zur Zeit des Bauernkriegs auf ungewöhnliche Weise nachvollziehen: Ein großes begehbares Spielbrett ermöglicht es den Besucherinnen und Besuchern, in die Rollen der damals Beteiligten zu schlüpfen und die Zeit unmittelbar vor dem Aufstand aus verschiedenen Perspektiven zu erleben.

Die nachfolgenden Texte geben Hintergründe und weiterführende Informationen zur Ausstellung in Mansfeld.

Fordere selbst

Die Zwölf Artikel von Memmingen, verfasst im März 1525, gelten als eines der bedeutendsten Dokumente des Deutschen Bauernkriegs. Sie sind eine Zusammenfassung der Forderungen der aufständischen Bauern und stellen somit ein frühes Zeugnis für den Kampf um soziale Gerechtigkeit dar. Entstanden in Memmingen, einer Stadt in Oberschwaben, wurden die Zwölf Artikel von Vertretern der oberschwäbischen Bauern formuliert. Sie forderten unter anderem die Abschaffung der Leibeigenschaft, eine gerechte Verteilung der kirchlichen Zehnten, das Recht auf freie Pfarrerwahl und die Rückgabe von unrechtmäßig enteigneten Allmenden, also gemeinschaftlich genutzten Landflächen, an die Bauern. 

Die Zwölf Artikel verbreiteten sich schnell dank der damals neuen Drucktechnik und fanden in vielen Regionen des Reiches bei den bäuerlichen und städtischen Bevölkerungsschichten großen Anklang. Die Memminger Artikel wurden vielerorts von den Aufständischen aufgegriffen, aber es gab auch weitere Versuche, gegen die empfundenen Missstände örtlich jeweils eigene Artikel aufzustellen. Diese reichten von sehr allgemeinen Forderungen nach Mitbestimmung bis hin sehr konkreten, vor allem regional bedeutsamen Anliegen, wie etwa die Abschaffung von Abgaben für die Benutzung von Gemeinschaftsbacköfen. Die Niederlage der Aufständischen in der Schlacht bei Frankenhausen verhinderte, dass ihren Forderungen nachgekommen wurde. In den folgenden Jahren wurden ihnen jedoch zumindest kleine Zugeständnisse von Seiten der Herrschenden eingeräumt.

Bewaffnung

Der Bauernkrieg war geprägt von einer ungleichen Auseinandersetzung zwischen den aufständischen Bauern und den gut ausgerüsteten Fürstenheeren. Dabei war es nicht die angeblich mangelhafte Bewaffnung, sondern vielmehr die fehlende militärische Ausbildung und Organisation der Bauern, die ihren Niedergang besiegelte. Da die Bauern bereits zuvor häufig zur Landesverteidigung herangezogen wurden, besaßen viele von ihnen zumindest eine einfache Bewaffnung in Form von Piken (lange Spieße) und Hellebarden (langstielige Äxte), manchmal sogar Brustpanzer und Schwerter, zumindest aber Bauernwehren (einschneidige kurze Hiebschwerter) . Bei der Plünderung von Burgen kamen sie zudem an Hakenbüchsen (einfache Handfeuerwaffen) und Kanonen. 

Trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit konnten die Bauern jedoch gegen die disziplinierten, trainierten und taktisch geschulten Berufskrieger der Fürsten kaum bestehen. In der Schlacht von Frankenhausen am 15. Mai 1525 wurden die Aufständischen zudem mitten in einer Predigt Müntzers vom Angriff des Fürstenheers überrascht und gerieten in Panik. Bei den anschließenden Kampfhandlungen kamen etwa 6.000 von ihnen ums Leben.

Frauen im Bauernkrieg

Trotz ihrer weitgehenden Abwesenheit in den historischen Quellen spielten die Frauen eine entscheidende, wenn auch unsichtbare Rolle während des Bauernkriegs. Obwohl sie oft nicht als aktive Teilnehmerinnen der Aufstände erscheinen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – trugen sie doch wesentlich zum Wohl und zur Unterstützung ihrer Familien bei.

Während die Männer sich an den Aufständen beteiligten oder auf dem Schlachtfeld kämpften, waren die Frauen zu Hause damit beschäftigt, den Haushalt zu führen, Kinder zu versorgen und die Familie zu ernähren. Sie waren verantwortlich für die Bewirtschaftung der sonst brachliegenden Höfe, die Versorgung der Tiere, die Herstellung von Nahrungsmitteln und die Sicherstellung des täglichen Überlebens in einer Zeit des Konflikts und der Unsicherheit. 

Nur wenige Frauen werden in den Schriftquellen als direkte Teilnehmerinnen im Bauernkrieg erwähnt, so etwa die „Schwarze Hofmännin“ Margarete Renner in Süddeutschland. Weibliche Beteiligung an Aufständen oder gar Kampfhandlungen ist aber so selten, dass sie von den Chronisten als absolute Sonderfälle in den Überlieferungen vermerkt werden. 

Die wirtschaftliche Lage zur Zeit des Bauernkriegs

Die wirtschaftliche Lage in Mitteldeutschland während des Bauernkriegs war bedingt von einer Vielzahl von Faktoren, die zu den sozialen Unruhen und Aufständen führten. Rohstoffknappheit, Missernten und die daraus resultierende Nahrungsmittelknappheit trugen zu steigenden Preisen für Grundnahrungsmittel und zur Verschlechterung der Lebensbedingungen vieler Menschen bei, insbesondere der bäuerlichen Bevölkerung. Hinzu kam Raubbau an den natürlichen Ressourcen, was beispielsweise Mangel an Brennholz, Auslaugung von Äckern und Überfischung von Gewässern zur Folge hatte.

Die Städte zogen viele Menschen an, die Arbeit und bessere Lebensbedingungen suchten. Die wachsenden urbanen Zentren wurden zu Drehscheiben des Handels und Handwerks, was zu einer wirtschaftlichen Spaltung zwischen städtischen und ländlichen Gebieten führte. Die städtischen Eliten profitierten von wirtschaftlichen Privilegien und wachsenden Märkten, während die ländliche Bevölkerung unter hohen Abgaben und Frondiensten litt. Diese ökonomischen Ungleichheiten trugen maßgeblich zur Unzufriedenheit der Bauern bei. 

Die Geldentwicklung und der Handel waren ebenfalls entscheidende Faktoren. In einer Zeit, in der der Feudalismus langsam durch kapitalistische Wirtschaftsstrukturen abgelöst wurde, war auch das Geldwesen im Wandel. Die zunehmende Verwendung von Münzen anstelle von Naturalien und die Entwicklung des Bankwesens veränderten die Art und Weise, wie Geschäfte abgewickelt wurden und wie Reichtum angehäuft wurde. Die Veränderungen im Nah- und Fernhandel führte regional etwa dazu, dass es zeitweise an kleinen Münzen mangelte. 

Die Jagd zur Zeit des Bauernkriegs

Während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit war die Jagd ein Vorrecht des Adels und der königlichen oder fürstlichen Obrigkeiten. Der einfachen Bevölkerung war es in der Regel untersagt, das sogenannte Hochwild zu jagen, d.h. Rothirsch und Damhirsch, Wildschwein, Reh, Gams, Mufflon und Elch. Meistenteils erlaubt hingegen war die Jagd auf weniger prestigeträchtige Tiere wie Hase, Kaninchen, Singvögel, Stockente, Taube, Fuchs, Dachs und Marder. Diese Einschränkung führte zu einem starken Gefühl der Ungerechtigkeit und des Unmuts unter der einfachen Landbevölkerung. Trotz strenger Strafen durch die Obrigkeit kam es nicht selten zu Wilderei.

Die Forderung nach freier Jagd und Fischereirechten gehörte zu den Forderungen der Aufständischen im Bauernkrieg. Die Niederlage der Bauern in der Schlacht bei Frankenhausen führte aber dazu, dass sich die Vorrechte des Adels sogar noch ausweiteten. Mancherorts durften die Bauern noch nicht einmal mehr Wild von ihren Feldern vertreiben. 

Die Bergleute und der Bauernkrieg

Der Bergbau war ein wichtiger Bestandteil der mitteldeutschen Wirtschaft zur Zeit des Bauernkriegs. Die Bergreviere wie das Erzgebirge und der Harz waren von großer Bedeutung für die Wirtschaft des Heiligen Römischen Reiches. Die steigende Nachfrage nach Silber, insbesondere durch den florierenden internationalen Handel, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der lokalen Herrscherhäuser wie etwa den Grafen von Mansfeld, aber auch zu sozialer Ungleichheit und Konflikten. 

Diese Konflikte waren jedoch bereits lange vor den Bauernaufständen zutage getreten und wurden auch schon durch eigene Protestbewegungen und Aushandlungsprozesse zwischen Bergleuten und Obrigkeit ausgehandelt. Im Mitteldeutschen Raum beteiligten sich die Bergleute nur in geringem Umfang an den Aufständen von 1524/25, da sie sich im Gegensatz zu den Bauern bereits weitergehende Freiheiten erstritten hatten.

Bildersturm

Der Bildersturm, also die gewaltsame Entfernung und Zerstörung religiöser Kunstwerke, war ein prägnantes Phänomen während der Reformationszeit und des Bauernkriegs. Obwohl es nur wenige belegte Fälle von sogenanntem Ikonoklasmus während des Bauernkriegs gibt, wie beispielsweise in Mühlhausen (Thüringen), spiegeln diese Ereignisse den tiefen Konflikt und die religiösen Spannungen jener Zeit wider.

Die Aufständischen, beeinflusst von reformatorischen Ideen, sahen in den religiösen Bildern und Statuen Symbole für den Missbrauch der Kirche und den Aberglauben. Die Zerstörung dieser Kunstwerke war ein Ausdruck ihrer Ablehnung des alten kirchlichen Systems und ein Schritt hin zur Errichtung einer neuen, gereinigten Form des Gottesdienstes.

Der Bildersturm verdeutlichte die tiefe Spaltung innerhalb der Gesellschaft und der Kirche. Während viele Bauern und Reformatoren die Entfernung religiöser Bilder als notwendigen Schritt zur Reinheit des Glaubens betrachteten, verteidigten andere die künstlerische und spirituelle Bedeutung dieser Werke. Hinzu kam, dass die kirchlichen Bildwerke oftmals von den lokalen Bürgersfamilien gestiftet worden waren, die damit ihre Frömmigkeit und ihren sozialen Status ausdrückten und die sich ebenfalls dagegen verwahrten, dass ihre Stiftungen den Zerstörungen anheimfallen sollten.