Elfriede Starke (1949-2021), Direktorin der Wittenberger Lutherhalle – ein deutsch-deutsches Schicksal

 | 18:00 Uhr
Bild
Wittenberg
Lesung/Vortrag

Museum nach Feierabend

Elfriede Starke hatte als Direktorin von 1974 bis 1982 prägende Bedeutung für die Wittenberger Lutherhalle, die später zum Lutherhaus umbenannt wurde. Sie hat die Ausstellung zum Lutherjahr 1983 geplant und organisiert. Auf Druck der DDR-Staatssicherheit wurde Starke jedoch aus dem Amt gedrängt und kämpfte auch nach der politischen Wende vergeblich um Rehabilitation.

Die LutherMuseen widmen Elfriede Starke (1949-2021) einen Erinnerungsabend am Dienstag, 13. Oktober, 18 Uhr im Großen Hörsaal der Stiftung Leucorea Wittenberg (Collegienstraße 62). Referent ist Dr. Volkmar Joestel, Historiker und ehemaliger Mitarbeiter der LutherMuseen. Er hat sich intensiv mit dem Leben und Wirken Elfriede Starkes beschäftigt und wird in seinem Vortrag neue Forschungsergebnisse vorstellen, die bedeutsam für die Geschichte der Lutherhalle und der Stadt Wittenberg sind. Weitere Wortbeiträge wird es vom Wittenberger Oberbürgermeister Torsten Zugehör, dem Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt, Johannes Beleites, und Dr. Thomas T. Müller, Vorstand der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, geben. Der Abend im Rahmen der Reihe „Museum nach Feierabend“ ist ein Beitrag zur Rehabilitierung von Elfriede Starke.

Die musikalische Ausgestaltung übernimmt das Trio „ad libitum“, das aus dem Pianisten Michael Stolle, dem Geiger Michael Marinov und dem Cellisten Wolfgang Praetorius besteht. Im Anschluss wird zu einem kleinen Empfang eingeladen.

 

Hintergrund:

Elfriede Starke (1949-2021) war von 1974 bis 1982 Direktorin der Lutherhalle. Ihre Hauptaufgabe war mit einem ganz jungen Team die Neugestaltung der Hauptausstellung und mehrerer Kabinettausstellungen als Vorbereitung auf den 500. Geburtstag Martin Luzhers 1983. Die Ausstellungen wurden am 16. April 1983 erfolgreich eröffnet und hatten bis 2002 Bestand – eine große Ausnahme unter den ostdeutschen Museen. Seit 1978 unter ständiger Beobachtung und Drangsalierung des MfS (Ministerium für Staatssicherheit) stehend, wurde Frau Starke 1982 krank und auf Initiative des MfS aus ihrem Amt gedrängt. Sie hat nie wieder eine adäquate Stelle gefunden und wurde 1986 invalidisiert. Trotzdem hat sie bis 1998 viele wissenschaftliche und museale Projekte bearbeitet. Ihre fünfjährige juristische Bemühung von 2000 bis 2005 um berufliche Rehabilitierung war in allen Instanzen erfolglos, weil angeblich nicht nachweisbar gewesen wäre, dass das MfS ihre Ablösung initiiert hatte. Trotzdem verzweifelte Elfriede Starke nicht, sondern ließ die tragische Vergangenheit hinter sich und besuchte mit einer Freundin viele europäische Kulturstätten und -veranstaltungen in Flandern, Italien und Deutschland.

Dr. Volkmar Joestel studierte Geschichte in Leipzig und arbeitete fast ein ganzes Berufsleben am Wittenberger Lutherhaus. Er beschäftigt sich vor allem mit Andreas Bodenstein aus Karlstadt, besonders mit den Zusammenhängen zwischen seiner Theologie und dem Alltagsleben der Menschen. Ein weiteres Interessensgebiet sind Luthers Wirkungsgeschichte und Rezeption, vor allem Luthermythen und ihre historischen Hintergründe.